• Holamundo

Indonesia - Bali part 2: Lovina and Seminyak

Meine nächste Station auf Bali war der hohe Norden - Lovina Beaches. Der Strand war eigentlich nicht mein Ziel, sondern vielmehr das bergige Hinterland. Ich fand ausserhalb vom Trubel eine ordentliche (für indonesische Verhältnisse - die meisten Europäer würde rückwärts aus dem Zimmer fallen) Unterkunft, dazu noch sehr günstig. Am ersten Tag nahm ich es sehr gemütlich. Ich bummelte durch den ruhigen Ort. Eigentlich ist es auch hier, wie überall auf Bali, sehr touristisch. Da aber Nebensaison ist, ist es angenehm ruhig und leer.

Strand von Seminyak

Ich schaute mir ein Volleyballspiel an, liess mich am Strand schön massieren (einfach herrlich) und hing dann den ganzen Abend in einer Rastabar am Strand herum. Dort hatte ich im Nu 10 neue Freunde (Männlein wie Weiblein). Mit den Locals sangen wir Bob Marley Lieder, spielten Gitarre, tranken Bintang und genossen das Nichtstun. Das tat mal richtig gut - es war "touristenfrei" und richtig lustig. Die Indonesier sind ein lustiges Volk und sehr freundlich und verdammt neugierig. Jedenfalls konnte ich nach dem Abend ein paar Wörter mehr Indonesisch.

Buddha Monastry Lovina

Am nächsten Tag schwang ich mich wieder auf einen Scooter und düste los. Ich besuchte die Singsing-Wasserfälle und watete tapfer mit meinem Guide durch das Wasser. Weiter ging es zu heissen Quellen, die ich mir aber nur von aussen anschaute. Und dann ging ich ins Kloster. Keine Angst - ich war nur eine gute Stunde dort und ging dann auch wieder. Es war ein wunderschönes Buddha Kloster bei Seririt. Weiter machte ich mich mit meiner Vespa tapfer auf den Weg in die Berge. Von Touristen war hier keine Spur mehr. Dann aber erwischte mich ein Wolkenbruch vom Feinsten. Ich stellte mich unter. Kurz darauf verfuhr ich mich gründlich und nach einem 2. Wolkenbruch wurde ich fast von der Strasse gespült. Ich war trotz grossem Helm und Regenponcho nass bis auf die Haut. Es war Zeit zum Aufgeben. Schade, gerne wäre ich in die Bergwelt von Munduk gefahren, aber so verloren und durchnässt mitten im Irgendwo - da verlies mich dann der Mut und ich drehte um. Ein Stärkung in Lovina und dann schaute ich mir wenigstens noch Singaraja an.

gemütlicher Abend mit Kyoto in Lovina

Am nächsten Tag ging ich dann auf die Menjangan Insel zum Schnorcheln. Die Schildkröten hatten an dem Tag wohl gerade frei, aber es gab eine unglaubliche Anzahl an Fische und so war es ein wunderschöner Ausflug.


Geplant war eigentlich meine Weiterreise nach Java, aber schlechtes Wetter, Auswirkungen vom Vulkan Merapi (kein Flugverkehr) und ein blöder Busfahrplan liesen mich umplanen. Meine letzten Tage auf Bali werde ich nun in Seminyak verbringen (den Touristenwahnsinn in Kuta möchte ich unbedingt umgehen).


Nach vielen Nächten unter 8 € für die Übernachtung hatte ich von dem indonesischen Siff, den Kakerlaken, den fleckigen Betten, die maximal 1x pro Monat bezogen werden (egal wer alles so drin schläft) so richtig die Schnauze voll. Ausserdem wollte ich mal eine Dusche, aus der zuverlässig Wasser kommt (die Temperatur war mir egal, kalt wäre schon prima gewesen). So landete ich im edlen Touristenort Seminyak, wo ich mich für 5 Nächte in einer qualitativ ordentlichen, preislich leider gar nicht mehr so ordentlichen Unterkunft einquartierte. Ich zahlte das 4fache wie sonst, aber das war es mir wert. Ich hatte ein sauberes Bett und ein schönes Bad. Den ersten Tag verbrachte ich am schönen Strand. Am

Tanah Lot

2. Tag mietete ich einen Scooter und fuhr zum Tempel Tanah Lot. Der viel gelobte Tempel war extremst touristisch und ich flüchtete, auch wenn er ganz nett war. An der Echo Beach genoss ich ein wenig Surferleben (ich schaute nur zu). Dann noch ein fauler Strandtag und an meinem letzten Tag war nochmals Scooterfahren angesagt. Über den Highway verfuhr ich mich erst einmal gründlich und ehe ich mich versah landete ich mitten im Strassenchaos von Denpasar. So hatte ich meine ganz private Stadtrundfahrt dann auch gleich gemacht. Es hiess kühlen Kopf bewahren, irgendwann kommen irgendwelche Strassenschilder. Und irgendwann kam auch das richtige und ich war wieder raus aus dem Chaos. Unglaublich - so viel frische Gerüche der verschiedenen Automarken hatte ich selten auf einmal direkt und ungefiltert in der Nase. Meine Haut war schlagartig mit schwarzen Partikeln bedeckt - über meine Lunge habe ich mal lieber nicht nachgedacht. Ich schaute mir den altehrwürdigen Touriort Sanur an, der aber eher ein masslos überteuertes und völlig ausgestorbenes, gesichtloses Nest ist. So fuhr ich schnell wieder weiter. Mein Ziel war die Bukit-Halbinsel. Auf dem Highway war plötzlich vor mir ein kleiner Tumult. Menschen liefen quer über die Strasse. Ich fuhr sehr langsam hinter ein paar anderen Scootern hinterher und da lag plötzlich vor mir eine junge, hübsche Frau neben ihrem Scooter tot auf der Strasse. Sie hatte einen Unfall mit einem Auto. Der Autofahrer trug sie gerade an den Strassenrand. Ich war komplett schockiert. Und bekam trotz der Hitze Gänsehaut. Im Schneckentempo fuhr ich, wie alle anderen Scooterfahrer auch, am Strassenrand langsam weiter über den Highway. Ich war froh, als ich heil am Ulu Watu Tempel ankam. Ich zitterte immer noch. Das Bild ging mir einfach nicht aus dem Kopf. Dennoch versuchte ich den Tag einigermassen zu geniessen, schaute mir den Tempel an und setzte mich an der Uluwatu Beach dann gemütlich in ein Surfercafe und schaute den Surfern in den Wellen zu. Aber die Traurigkeit bleibt erst mal.

Strand von Canggu 2010, als es Canggu noch nicht gab

Morgen heisst es Abschied nehmen von Bali. Ich bin froh, das es weitergeht. In 4 Wochen habe ich hier das für mich ungewohnte Luxusleben erlebt, habe das krasse Gegenteil von schäbigen Kaklerlaken-Schlaflöchern mitbekommen, wurde beklaut, hatte den obligatorischen Reisedurchfall, hatte das Glück, mit Schildkröten zu tauchen, fand eine tolle Unterwasserwelt, hatte meinen Spass beim Vespafahren, genoss schöne Strände, schwamm durch Müll, lernte lustige, liebe und neugierige Einheimische kennen, hasste den Massentourismus, musste den Tod eines Menschen miterleben, handelte unzählige Male um überteuerte Preise und sagte pro Tag mindestens 1.000 Mal "no thank you", nachdem mir Transport, Taxi, Sarongs oder anderer Kram zum Kauf angeboten wurden. Es war eine Zeit mit Höhen und Tiefen, aber unter dem Strich ist Bali/Lombok nicht meine Destination. Es gehört zu den wenigen Orten in meinem Leben, die ich nicht wieder besuchen möchte. Es war eine Erfahrung wert, aber dabei sollte es bleiben. Ich hoffe, meine zukünftigen Stationen vermitteln mir noch ein anderes Bild von Südostasien.


2 views0 comments